Die Dialektisch - Behaviorale Therapie ( DBT ) der Borderline Störung
Die DBT stellt ein Behandlungskonzept dar, das Anfang der 90er Jahre von
Prof. Marsha M. Lineham in Seattle / USA für die ambulante Psychotherapie
chronisch - parasuizidaler Frauen mit der Diagnose einer Borderline Störung
entwickelt wurde.
Der Therapieansatz entspricht den Kriterien, die heute an eine moderne
Psychotherpie gestellt werden:
1. die DBT basiert auf einer empirisch fundierten Theorie.
2. Sie verfügt über ein Manual
3. Sie ist störungsspezifisch konzipiert, und sie integriert ein breites Spektrum
therapeutischer Strategien und Tehniken, wie die kognitive Verhaltenstherapie,
Körpertherapie, Hypnotherapie, Gestalttherapie und Elemente des Zen.
Die DBT wurde erfolgreich an spezifische Erfordernisse in der Behandlung von
Borderline Patienten adaptiert.
Der Dialektisch - Behaviorale Therapieansatz wird geleitet von dem zentralen Gedanken der
affektiven Dysregulation als dem Kernproblem der Borderline Störung. Entsprechend steht
die Bearbeitung dysfunktionaler Problemlösemuster zur Affektregulation wie z.B. suizidale
Handlungen, selbstschädigendes Verhalten und Dissoziation, im Blickpunkt der
Aufmerksamkeit. Danach lässt sich die Entstehung einer Borderline Störung als ein
Zusammenwirken von sozialen Faktoren wie frühe Traumatisierung und Vernachlässigung
auf der einen Seite und aus neurophysiologischen Dispositionsfaktoren wie affektive
Vulnerabilität auf der anderen Seite erklären.
Das Fertigkeitentraining ( Skillstraining ) besteht aus einem manualisierten halbstandardisierten Trainings-
Manual. Es beinhaltet die vier Module.
1. die Innere Achtsamkeit ( dem Zen angelehnt )
2. bewußter Umgang mit Gefühlen
3. Stresstoleranzenfertigkeiten
4. zwischenmenschliche Fertigkeiten
Die Module nehmen jeweils ca. 2-3 Wochen a 3 Gruppensitzungen von 90 Min. in Anspruch und
profitieren in erheblichem Ausmaß von der aktiven Mitarbeit der Patientinnen/en einerseits wärend der
Gruppe als auch außerhalb der Gruppe. Es kann gar nicht genug betont werden, dass der eigentliche
Fortschritt in der Therapie zu einem großen Teil in der oftmals anstrengenden Einübung, also dem
Training der in der Gruppe und der Einzeltherapie gelernten Fertigkeiten bezw. Verhaltensänderungen
besteht. Die Patienten führen insbesondere ihre wöchentlichen Übungen zu den jeweiligen Arbeitsblättern
durch, die sie in einem Wochenprotokoll eintragen.
1. Innere Achtsamkeit : Fertigkeiten zur Steigerung der inneren Achtsamkeit haben eine zentrale
Bedeutung in der DBT und werden daher als erstes vermittelt. Diese Übungen beruhen auf der Praxis
des Zen und östlichen Meditationspraktiken und haben zum wesentlichen Ziel, sich bewusst auf eine
Sinneswahrnehmung in der Gegenwart zu konzentrieren (z.B.Alltagsgeräusche, Farben der
Umgebung, Tasten von Materialien usw.) und keinerlei Bewertung der Wahrnehmung zu unternehmen.
Zu den Übungen gehören die Was-Fertigkeiten der inneren Achtsamkeit: Beobachten,
Beschreiben, Teilnehmen, die mit den Wie-Fertigkeiten wirkungsvoll, konzentriert,
nichtbewertend kombiniert werden. Insgesamt ist die Innere Achtsamkeit ein Weg, um Gefühl
und Verstand in ein Gleichgewicht zu bringen, um den Augenblick wahrzunehmen, belastende
nicht-effizente Gedanken an Vergangenheit und / oder Gegenwart abzuschalten und um die
dsyfunktionalen emotionsabhängigen Verhaltensreaktionen zu reduzieren.
2. Bewußter Umgang mit Gefühlen / emotionale Regulierung :
In diesem Modul werden spezifische Fertigkeiten für einen bewußten Umgang mit Gefühlen vermittelt.
Ziel dieses Moduls ist es, die eigenen Gefühle zu verstehen. Die Patienten / -innen üben ein, ihre Gefühle
zu identifizieren und deren Funktionen im kommunikativen Kontext zu analysieren, die emotionale
Verwundbarkeit zu verringern, positive Emotionen für sich häufiger erfahrbar zu machen und das eigene
Leiden zu vermindern. Ein Skill betrifft z.B das Verändern von Gefühlen durch entgegengesetztes
Handeln zu Ärger, Angst, Scham, Traurigkeit und Schuldgefühl.
3. Stresstoleranzfertigkeiten: Die Fertigkeiten zur Stresstoleranz sind eine Fortsetzung der Fertigkeiten
zur Steigerung der Inneren Achtsamkeit. Bei den dazugehörigen Übung spielt das Annehmen und
Ertragen von Belastungen und deren Sinnfindung eine große Rolle. Ziel bei der Aneignung von Stress -
toleranzfertigkeiten ist es, die Fähigkeiten zu erwerben, Krisen auszuhalten und zu überleben sowie die
Fähigkeit, das Leben anzunehmen, wie es im Augenblick ist. Übungsbeispiele sind sind:
Radikale Akzeptanz, Bereitschaft ( kommt aus dem spirituellen Bereich und stellt das Gegenteil von
Wollen / Willfullness dar ). Bewährte Fertigkeit zur Kontrolle dissoziativer Zustände sind z.B.
Fishermans friends kauen, an Ammoniak riechen, oder Eis in die Hand nehmen. In einem individuell
zusammengestellten Notfallkoffer übt die Klientin im Alltag ein, ihre eigene Stresstoleranzstrategien ggf.
zu aktivieren.
4. Zwischenmenschliche Fertigkeiten : Dieses Modul ist angelehnt an das soziale Kompetenztraining.
In ihm werden wesentlich soziale Selbstsicherheitsstrategien vermittelt
( z.B. wie man nach etwas fragen kann, das man braucht, wie man nein sagen kann oder wie man mit
interpersonellen Konflikten wirkungsvoll umgehen kann ).
Quelle : www.medizin.fu-berlin.de/psyche/Klinik/klinik/borderline.html
Es geht mir schlecht - Bewußter Umgang mit Gefühlen
- ich beschreibe, was ich in diesem Moment fühle!
- ich verringere meine emotinale Verwundbarkeit! Kein Alk, keine Drogen oder zuwenig Schlaf
Viel Bewegung!
- ich habe auch starke, gute und liebevolle Seiten, nämlich ...
- ich bin nett zu mir und tue mir bewußt etwas Gutes!
- ich lasse das Leiden los, halte es nicht fest und schiebe es nicht weg!
- wenn meine Gefühle zu stark sind, mache ich das Gegenteil von dem, wonach ich mich fühle!
Du tust mir weh, ich tue Dir weh! - Zwischenmenschliche Beziehungen
- was will ich eigentlich vom anderen? - zielorientiert
- was ist mir wichtig am anderen? - beziehungsorientiert
- wie weit kann ich gehen, ohne mich zu vernachlässigen? - Selbstachtung
- ich darf ( und kann ) fragen, meinen Wunsch exakt äußern!
- ich darf ( und kann ) sehr bestimmt nein sagen!
Ich bin weit weg von mir! - Achtsamkeit
- was nehme ich in diesem Moment in und um mich herum wahr?
- ich beschreibe was in diesem Moment wahrnehme!
- ich lasse es zu, halte es nicht fest und schiebe es nicht zur Seite!
- ich bewerte nicht! Es gibt kein gut oder schlecht !
- ich konzentriere mich nur auf das hier und jetzt !
- ist mein Handeln oder Denken effektiv / wirkungsvoll, bringt es mir etwas ?
Ich bin gestreßt! - Streßtoleranz
- Radikale Akzeptanz ! Es ist passiert und ich kann es nicht rückgängig machen!
- next step! Denke nur an das nächstliegende Ziel, an die nächste viertel Stunde!
- Ich lenke mich ab !
- ich konzentriere mich auf einen meiner fünf Sinne:
was sehe, höre, schmecke, rieche oder berühre ich in diesem Moment ?
- ich denke an das Pro und Contra, die Spannung in diesem Moment auszuhalten!
- ich atme tief durch, lasse die Schultern hängen und entspanne mich!
- leichtes Lächeln: Ich verändere meine Emotionen über meine Minik.
- Ich achte darauf, was ich in diesem Moment mache ( abwaschen, putzen, etc )!