Depressionen
sind eine Erkrankung mit mehreren Krankheitsbildern,
Merkmale
sind :
Körperliche Beschwerden, Missbefinden, Antriebslosigkeit, innere Unruhe,
Schlafstörungen, fehlende Lebensfreude, innere Leere und Traurigkeit,
vermindertes Selbstwertgefühl, schwindendes Interesse,
Konzentrationsschwäche, Unentschlossenheit, Schuldgefühle – Selbstanklagen,
„Alles ist grau“, Gedanken an Selbstmord.
Die
Symptome treten allmählich, rasch oder schlagartig auf.
Leichte Depressionen äußern sich durch einige nicht allzu stark ausgeprägte Symptome und sind gut und schnell zu bewältigen. Ohne Behandlung können sie sich jedoch leicht zu mittelschweren Depressionen entwickeln
Mittelschwere
Depressionen zeichnen
sich durch ein breites Spektrum an
Schwere Depressionen sind
eine ernsthafte Krankheit. Sie bereitet den Betroffenen große Schwierigkeiten
alltägliche Lebenssituationen zu meistern und
werden häufig von Selbstmordgedanken begleitet.
Exogene Depressionen werden durch Medikamente ausgelöst, z.B. Cortison, Drogen, Alkohol, Neuroleptika.
Die Erkrankung kann „Jeden" treffen, gleich welcher sozialen Schicht,
Kultur oder Nationalität. Frauen sind stärker betroffen als Männer,
sie kommt bei Kindern und steigend bei
Jugendlichen vor.
Eine Depression kann zwischen Wochen und Monate, in seltenen Fällen
bis zu Jahren
andauern.
Eine Depression hat selten eine einzige Ursache.
Meist führt ein Zusammenspiel
verschiedener Faktoren zur Erkrankung.
Die
genetische Veranlagung spielt eine Rolle.
Ebenso können bestimmte Persönlichkeitsfaktoren ( Persönlichkeitsstörungen )
von Bedeutung sein. Akute psychosoziale Belastungen, wie der Verlust oder Tod
einer Bezugsperson, treten vermehrt vor dem Beginn einer Depression auf.
Umstände erfordern wie Heirat, Arbeitslosigkeit und Berentung.
Die
verschiedenen Faktoren führen zu neurobiologischen Veränderungen im
Hirnstoffwechsel, die bei manchen Personen in eine Depression münden können.
Depressive
halten sich nicht für krank – sondern für Versager.
Die
Selbstmordrate bei depressiven Menschen ist hoch.
Depressionen lassen sich von Fachärzten ( Neurologen ) lindern, durch ärztlich
kontrollierten Einsatz von Antidepressiva.
Zur weiteren Heilung ist eine Psychotherapie bei einem guten Therapeuten /
Therapeutin erforderlich. Als wirksam erweist sich die kognitive
Verhaltenstherapie, sowie die
tiefenpsychologische fundierte Therapie.
Der
Depressive muss zur Therapie bereit sein und aktiv mitarbeiten.
Arbeitskreis Depressionsstationen
Derzeit gibt es in der Bundesrepublik Deutschland ca. 60 sog. Spezialstationen für depressiv
Kranke ( Depressionsstationen ), die sich der Diagnostik, Therapie und Pflege von schwer
und schwerst depressiv kranken Menschen gewidmet haben. Diese Entwicklung wurde im
Rahmen des Konzeptes der "inneren Differenzierung" psychiatrischer Fachkrankenhäuser
in den letzten 20 Jahren angestrebt. Dabei war die Einrichtung der Depressionstation am
damaligen psychiatrischen Landeskrankenhauses Weissenau, heute Zentrum für Psychiatrie
Weisenau und Abtl. Psychiatrie 1 der Universität Ulm, Vorreiter hinsichtlich des heutigen
Arbeitskreises der Depressionsstationen. Die damalige Weissenauer Depressionsstation
wurde 1976 gegründet, in Anlehnung an Modelle aus den USA oder in Australien.
Diese Spezialisierung bezw. in der logischen Folge der Entwicklung psychiatrischer
Fachkrankenhäuser als innere Differenzierung bezeichnete Entwicklung begann sich
dann durchzusetzen und führte zu der heutigen Szene von Depressionsstationen in
deutschen psychiatrischen Fachkrankenhäuser, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
und auch einigen Universitätskliniken.
Auf Depressionsstationen werden schwer und schwerst depressiv Kranke behandelt,
überwiegend sind dies Depressive nach Suizidversuch, Depressive mit einer pschotischen
Depression ( klassischer Schuld- Verarmungs-, Krankheits- oder Untergangswahn ),
Depressive mit schweren körperlichen Erkrankungen, die ambulant kaum behandelbar
sind, chronische bzw. sog. therapieresistente Depressive, meist seit mehreren Jahren in
Behandlung, Komorbiddepressive usw.
Problembeschreibung
Im Expertenkreis besteht Übereinstimmung, dass die Häufigkeit diagnostizierbarer und
behandlungsbedürftiger depressiver Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung aus einer
Reihe von Gründen zugenommen hat und weiter zunehmen wird. Die anstehenden
Problembereiche lassen sich wie folgt benennen:
1. Unterdiagnostik depressiver Störungen, vor allem bei Männern und bei alten Menschen,
auch bei Menschen mit körperlichen Erkrankungen. So werdenz.B. Depressionen bei
Männern selten erkannt, bei alten Menschen werden dementielle Prozesse und depressive
störungen häufig gleichgesetzt und fehldiagnostiziert, was auch zu Fehlbehandlungen
führt, depressive Störungen bei somatischer Komorbidität werden meist nicht als solche
behandelt sondern als einfühlbare Reaktion verstanden und von daher nicht als
behandlungsbedürftig gesehen.
( Verwechselung von Erklären/Verstehen und Behandlungsnotwendigkeit einer Erkrankung )
2. das Fehldiagnoseproblem depressiver Störungen fälle in den gleichen Bereich. Hier geht
es um die fehlende Wahrnehmung von Depression bei anderen psychischen Erkrankungen
(z.B. bei Suchterkrankungen, aber auch bei Schizophrenie ), von Depressionen bei
körperlichen Erkrankungen usw. Problem ist, dass es dann auch zu Fehlbehandlungen kommt
bzw. zu Unterbehandlung und zu einem Überwiegen vonTherapien z.B. mit Benzodiazepin -
Tranquilizern, ohne adäquate antidepressive Medikation bzw. antidepressive Psychotherapie.
3. Die Problematik der Suizidität depressiv kranker Menschen ist völlig unterbewertet und
unterbelichtet. In der Fragestellung - Depression und Suizidität -, insbesondere und
suizidpräventiven Überlegungen im Bereich der allgemeinmedizinischen Versorgung ist
völlig unzureichend bearbeitet. So wissen wir, dass 40 bis 60% aller Suizide in der Allgemein-
bevölkerung pro Jahr im Zustand einer depressiven Störung geschehen und dabei
überwiegend im ambulanten Versorgungsbereich; hier sind die tragischen Folgen von Unter-
und Fehldiagnostik und Fehlbehandlung direkt zu erkennen.
4. Im stationären Versorgungsbereich versammeln sich etwa 5% aller depressiv kranken
Menschen, allerdings die schwerst depressiv Kranken. Dies hat eine hohe
betriebswirtschaftliche Bedeutung, da hier ganz besonders die Gefahr Chronifizierung,
der Rezidivierung und damit auch der vorzeitigen Pensionierung und Berentung ansteht.
Auch hier ist Forschungsbedarf gegeben, zumal kaum psychosoziale Faktoren der
erneuten Erkrankung bekannt sind.
Quelle: Auszüge aus dem Schreiben Arbeitskreis Depressionsstationen an den
Sachverständigenrat im Gesundheitswesen
Aggression, Schuld und Bestrafung
Die Aggressivität Depressiver äußert sich meist sehr indirekt, versteckt oder hintenherum
und ist ihnen selbst oft gar nicht bewußt. Vor der Aggressivität anderer haben sie große Angst,
haben das Gefühl, sie könnten ihr nichts entgegensetzen und erleben sie gern als Bestrafung.
Eine 26 -jährigePraxisassistentin erzählt ihren Initialtraum:
Ich ging auf der Leopoldstr. und hatte einen Termin bei Ihnen. Es war schon 5 oder 6 Min.
nach der Zeit; ich bin geeilt. Statt der Tür war eine Glastür da. Ich konnte Sie sehen,
Sie haben telefoniert, ich habe Sie gestört. Es war unangenehm, weil ich wußte, was nachher
kommen würde, ich habe gedacht, jetzt kriege ich von Ihnen eine auf den Deckel.
Die primäre Aggression der Patientin - sie kommt zu spät zur Stunde und läßt den
Analytiker warten - ist wärend der Traumerzählung längst verlorengegangen. Statt dessen
erlebt sie, daß der Analytiker ihr nicht zugewendet ist, sondern zur Unzeit telefoniert und
sie wiederum warten läßt - eine von ihm ausgehende Agression; ihre berechtigte
Empörung darüber wird jedoch wiederum durch ihr schlechtes Gewissen überdeckt;
und schließlich erwartet sie, bestraft zu werden, was zumindest eine Entlastung für ihr
Schuldgefühl bedeuten würde.
Arbeitslosigkeit und Depression
Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet in der Leistungsgesellschaft nicht nur eine
materielle Schlechterstellung des Betroffenen, sondern in der Regel auch eine erhebliche
psychische Belastung.
Das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden, soziale Nicht-Anerkennung, ungeregelter
Tagesablauf sowie Kontaktverlust und Minderwertigkeitsgefühle können dabei eine Rolle
spielen. In zahlreichen Untersuchungen fanden sich drastische Unterschiede in der
psychischen Gesundheit Arbeitsloser und vergleichbarer Gruppen Beschäftigter.
( siehe Bundesgesundheitsbericht ) Kein Zweifel besteht auch daran, dass Arbeitsloskeit
zu einem Ansteigen sowohl von Suiziden als auch Suizidversuchen führt.
Weiterhin zeigt sich, dass mit zunehmender Dauer der Arbeitsloskeit auch die Zahl der
Suizide steigt.
Quelle: Kompetenznetz Depression, Suizidalität, Modul 7
Aggression bei Depressiven
Die Position, ob und inwieweit aggressive Konflikte zentrale Bedeutung für die depressiven
Patienten haben, sind sehr gegensätzlich. Vereinigt man die widersprüchlichen Positionen,
kommt man dem Phänomen Aggression bei Depressiven sehr nahe:
"Der völlig unaggressive aggressive depressive Patient."
Diese Verbindung wird dem Selbsterleben des Depressiven gerecht, der sich selbst kaum
je aggressiv erlebt, für den es erschreckend wäre, als aggressiv bezeichnet zu werden.
Gleichzeitig erleben andere sehr wohl die depressive Aggressivität, möchten sie meiden
und ziehen sich zurück. Der Kreis schließt sich dann, wenn der Depressive nun um so mehr
bemüht ist, auch kleinsten Ärger zu unterdrücken und zu verstecken, aus Angst vor den
Folgen des Ärgers. So wird die Aggression in ihm immer mehr zum undifferenzierten Kloß,
zur unbestimmten Enge, die es zu vermeiden gilt, vor allem aus Angst, andere zu verlieren.
Es lässt sich das Paradoxon beschreiben :
Der depressive Patient ist zuviel und zu wenig aggressiv.
Ersteres gemessen an seinem Erleben und an seinen Verarbeitungsmöglichkeiten - letzteres in
seinem Verhalten. Der Begriff Aggression bleibt zunächst allgemein und differenziert nicht, welche
Art von Aggression gemeint ist: offene, laute, leise, tätliche, verbale, gerichtete, ungerichtete.
Diese Differenzierung ist erst dann möglich, wenn es der Depressive erträgt, hinzuschauen, wenn die
Objektbeziehungen dies zulassen. Bevor das möglich ist, werden die Angst, der Schmerz,
körperliche Beschwerden, die Schuldgefühle wahrgenommen, nicht aber der Ärger. Ergänzt wird
das Paradoxon von zuviel und zuwenig Aggressivität durch die mangelnde Differenzierung.
Depressive Patienten überschätzen sich in ihrer Aggressivität oft ungemein und erleben
sich bereits, wenn sie sich abgrenzen, als böse. Sie schränken sich dann immer weiter ein
bis dahin, dass ein Nein nicht ausgesprochen werden kann. Dem Depressiven vermitteln
sich Aggressivität und Ärger also verschleiert. Er erlebt nicht die aggressive Spannung,
allenfalls ein Gefühl von Schuld. Hilflosigkeit und Überforderung, mit etwas umgehen zu
müssen, was es gar nicht geben dürfte.
So kann sich die sprachlich noch nicht fassbare aggressive Spannung im Agieren entladen.
Unbewusste Aggression kleidet sich in unschuldige Aggression, und die Hilflosigkeit des
Depressiven angesichts der Überforderung, aggressiv, unaggressiv zu sein, wird spürbar.
Bei der Aggressionsanalyse ist es wichtig, sie in Verbindung mit der adaptiven Bedeutung für
den Depressiven im Rahmen seiner Lebensgeschichte wahrzunehmen und zu deuten.
Wenn dem Depressiven deutlich wird, dass es für ihn in seiner Genese zentral wichtig, vieleicht
lebensnotwendig war, Widerstand, Aggression und Ärger zu kontrollieren - womöglich bis
hin zur Verleugnung - dann wird es entlastender, hinzuschauen, weil aggressive Impulse auch
positiv besetzt werden können. Nur auf diesem Wege und indem der Depressive selber ein
Verständnis für seine Symptomatik entwickelt, ist es möglich, dass der Überich - Druck nicht
noch anwächst, die Abwehr verstärkt und die Schuld und Schamgefühle erhöht werden.
Der depressive Grundkonflikt
Bei der Entstehung einer depressiven Störung im Erwachsenenalter wird der infantile
Grundkonflikt der Depression aktiviert. Dieser ist jedoch nicht direkt zugänglich, da er
tief unbewußt verankert ist und durch eine ganze Reihe von sekundären Verarbeitungen
und psychischen Abläufen überlagert wird.
Der depressive Grundkonflikt ist - so würde ich ihn zusammenfassen - begründet in der
Unverträglichkeit zweier Wünsche; einerseits dem Liebesobjekt nah sein zu wollen bis
zur Verschmelzung, anderseits eine Wut ausleben zu wollen, die bis zur Zerstörung des
Objekts oder seiner selbst gehen könnte.
Liebe und Haß sind beim Depressiven nicht integriert, da sie durch die
Mechanismen der Introjektion und der narzißtischen Identifizierung seit seiner
Kindheit getrennt gehalten worden sind, das gute Objekt und Selbstbild wurde ins
Überich aufgenommen; das böse Objekt in Verdrängung gehalten; die Wut dabei
wird durch Wendung gegen das eigene Selbst abgeführt. Die mangelnde Integration
von Liebe und Aggression beim Depressiven hat von daher nichts mit dem Abwehr -
mechanismus der Spaltung in Gut und Böse zu tun.
Die Zuspitzung dieses Grundkonflikts geschieht durch die Sehnsucht der Depressiven
nach einer engen, präödipal getönten Bindung an ein Objekt ( ideales Mutterbild ),
Dritte ( Vater, Geschwister, Freunde, äußere Realität usw ) werden zumindest in den
zentralen Phantasien und Wünschen heruntergespielt. Das mütterliche Objekt wird
mit intensiver Liebessehnsucht und Anhänglichkeit gesucht. Dabei fürchten die
Depressiven Abweisung, Enttäuschung und Kränkung. Kein Wunder, dass sie ihre
aus verschiedenen Quellen genährte Wut ( Abhängigkeitswut, Kränkungsärger,
Enttäuschungswut, narzißtische Wut, Schamspannung ) zurückhalten müssen.
So entsteht ihre große Angst einerseits vor Liebesverlust, anderseits aber vor einer
phantasierten Objektzerstörung, mit der sie paradoxerweise in ihrer unbewußten
Angst gerade ihr geliebtes Objekt bedrohen. Viele der pathologischen Erlebens -
und Verhaltensweisen Depressiver lassen sich aus dem Umgang mit diesen Ängsten
erklären.
Quelle :Buch Depression - Kohlhammer
Formen der Depression
Unipolare Depression : Die meisten Menschen, die an einer Depression erkranken, erleiden in ihrem
Leben mehr als eine depressive Episode. Derartige Episoden dauern unter Umständen Wochen,
manchmal auch Monate insbesondere dann, wenn die Patienten nicht konsequent behandelt werden.
Treten nur depressive Episoden auf, spricht man von einer unipolaren Depression.
Bipolare affektive Störung : Manche Patienten erleiden nicht nur depressive, sondern auch
manische Episoden. Manische Episoden sind gekennzeichnet durch einen unbändigen Tatendrang,
meist gehobene Stimmung, fehlendes Schuldbedürfnis, Größenideen, häufig auch durch Kaufrausch.
Dysthymie : Manche Patienten leiden an einer meist leichter ausgeprägten, aber dafür chronisch
verlaufenden Form der Depression, genannt Dysthymie. Diese beginnt meist im frühen
Erwachsenenalter.
Depressive Episoden im Rahmen unipolarer und bipolarer effektiver Störungen
sowie Dysthymie gehören zu den wichtigsten Depressions - Diagnosen.
Depressive Erkrankungen können jedoch auch im Rahmen körperlicher
Erkrankungen z. B. Schilddrüsenfunktionsstörungen oder in Verbindung mit
bestimmten Medikamenten z. B. hochdosierte Kortisonbehandlung, auftreten.
Depression hat viele Gesichter
* Oft geht der Depression eine besondere Belastung oder eine anhaltende Überforderung
voraus. Sie kann aber auch wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommen.
* Viele Betroffene erleiden nur eine einzige, über Wochen oder Monate gehende depressive
Phase in ihrem Leben, bei anderen kehrt die Depression wieder.
* Manche Patienten geraten besonders leicht in den trüben Herbst- und Wintermonaten in eine
depressive Bedrücktheit.
* Nicht immer muß die depressive Verstimmtheit im Vordergrund stehen: bei manchen
überwiegt der fehlende Antrieb und Schwung, bei anderen eine rastlose innere Unruhe.
* Oft kommt es zu Schlafstörungen und vielfältigen körperlichen Beschwerden. Auch geht das
Intresse an Sexualität verloren.
* Neben ausgeprägter Freud- und Gefühlslosigkeit mit innerer Leere kommt es häufig zu
Konzentrationsstörungen und manchmal auch zu beklemmnder Angst.
* Der Schweregrad ist unterschiedlich, bis hin zum völligen Erliegen des normalen Alltags.
Wichtig: Wenn man im Zweifel ist, ob man an einer Depression leidet,
sollte man zum Arzt gehen. Lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig.
Depression ist erfolgreich behandelbar
* Mit medikamentöser Therapie und psychotherapeutischen Verfahren stehen hochwirksame
Behandlungsmethoden zur Verfügung.
* Leider kommen sie jedoch zu selten zum Einsatz, weil Depressionen noch immer häufig
übersehen werden.
* Um einen Rückfall zu vermeiden, ist meist eine regelmäßige und oft Monate dauernde
medikamentöse Therapie notwendig.
* Antidepressiva machen nicht abhängig, sie verändern auch nicht die Persönlichkeit.
* In einer Psychotherapie erwirbt der Patient Strategien, um anders mit seinen Problemen
umzugehen. Dabei spielt der Aufbau von positiven Erfahrungen und das Durchbrechen
von negativen Grübeleien eine wichtige Rolle.
* Wenn Angehörige verstehen, daß es sich bei einer Depression um eine ernsthafte Erkrankung
handelt, können sie durch ihre Unterstützung ebenfalls einen wichtigen Beitrag für die
Bewältigung einer Depression leisten.
Wichtig : Depressionen sind kein unabwendbares Schicksal.
Sie lassen sich in aller Regel gut behandeln.
Wahnhafte Depression
Unter einer wahnhaften Depression versteht man eine besonders schwer ausgeprägte
depressive Episode, die neben den typischen Symptomen mit "psychotischen" einhergeht,
nämlich mit Wahn, Halluzinationen und / oder Stupor.
"Ich bin schuldig, diese Schuld kann niemals von mir genommen werden, ich bin in die ganze
Ewigkeit verdammt, das ist nicht verzeihbar, ich bin ein schlechter Mensch, selbst der Tod
kann mich nicht mehr retten."
Dies sind einige Formulierungen von Patienten mit depressiver Wahnsymptomatik, bei denen
die kognitiven depressiven Denkinhalte über die Einengung hinaus, über die Angst und Sorge,
über die überwertige Idee hinaus zur absoluten und nicht korrigierbaren Gewissheit geworden
sind. Eine wahnhafte Depression ist also eine Depression, die mit einer Fehlbeurteilung der
Realität einhergeht, an der der Patient festhält, unkorrigierbar und auch von früheren
Erfahrungen unabhängig, auch wenn sie im Widerspruch zur Erfahrung der Mitmenschen
und zu sonstigen Überzeugungen und Auffassungen sowie wissenschaftlichen Erkenntnissen
steht. Ein depressiver Wahn ist also eine falsche persönliche Überzeugung, die aus
unrichtigen Folgerungen aus der Realität, aus aktuellen Ereignissen entsteht, die im Kontext
mit einer tiefen depressiven Herabgestimmtheit steht und an der festgehalten wird, auch
wenn das Ausmaß der Ideen völlig über das hinausgeht, was an normaler Sorge, an Angst
und Furcht sonst möglich ist. Die klassischen Wahnthemen von Verarmung, Versündigung,
Schuld, Untergang und Krankheit sind in die jeweilige Kultur und das Zeitgeschehen
eingebettet, wenngleich sie sich nicht an aktuellen Ereignissen aufhängen, sondern eher
Werte des jeweiligen Zeitrahmens wiedergeben. Hinter jedem vordergründigen Wahnthema
steht dabei "Todesangst," Untergangsgewißheit, und mit zunehmender Dauer des Wahns
gibt es eine Progression in Richtung Schuldgefühl mit Selbstbestrafungstendenz.
Quelle : Buch Depression erkennen,verstehen,behandeln
Eigene Anmerkungen zur Wahnhaften Depression nach einem Vortrag wärend der
Dortmund - Hemeraner Tage 2002
Bekannt sind 7 Symptome : Wahn, Halluzination ( und / oder ) Verarmung, Versündigung, Schuld, Untergang,
Körperwahn, Wahn entsteht durch Projektion. Depressiver Wahn ist ein akuter Notfall. Frauen sind mehr
betroffen als Männer. Die Erkrankung tritt meistens jenseits des 50. Lebensjahres auf.
Die Suizidrate liegt bei 30 Prozent.
Merkmale und Grundsymptome
Drei Merkmale machen die Depression zum Leiden
Die traurige Verstimmung
Die Denkhemmung
Die körperlichen Symptome
1. Die traurige Verstimmung, verbunden mit Apathie und Antriebsschwäche, kann sich bis zur völligen Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung steigern.
2. Die Idee - und Denkhemmung äußert sich in negativ beherrschten Denkinhalten, kreisenden Gedanken und Entschlußunfähigkeit.
Am auffallensten ist das sich stets wiederholende Denkmuster, beispielsweise:
" Es hat alles keinen Sinn. "
" Ich kann nicht mehr leben. "
" Ich habe versagt. "
" Ich habe alles falsch gemacht. "
" Ich habe mich versündigt. "
" Mir ist nicht zu helfen. "
3. Die körperliche Veränderung, in der Fachsprache als psychomotorische Hemmung bezeichnet, äußert sich als
Überaktivität ( Agitiertheit ) oder Blockierung ( Hypomanie ). Zusätzlich belastend ist eine breite Palette
körperlicher Symptome, die einzeln oder gehäuft auftreten:
Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Mundtrockenheit, Druck - und Engegefühl im Hals
( Kloß im Hals )
Schweißausbrüche, häufig nachts, Herzklopfen, Herzbeklemmung, Pulsbeschleunigung oder Pulsverlangsamung,
Appetitverlust, Gewichtsabnahme oder Vielesserei, träge Verdauung
diffuse Organschmerzen : Bauchweh, Nierenbeschwerden, Gelenkaffektionen ( rheumaähnlich )
gestörte Sexualfunktion und bei der Frau Menstruationsbeschwerden,
Störung der Vitalgefühle, des " elan - vital ", mit Kraftlosigkeit, Erschöpfung
Umfassende Therapie
Man nennt eine Therapie dann umfassend, wenn - dem individuellen Zustand des Kranken entsprechend -
mehrere Therapiearten zum Einsatz kommen. Es werden neben den medikamentösen und physiologischen
Maßnahmen auch diese eingesetzt:
- das Gespräch: Stützung und Begeleitung
- die Sozialberatung : Lösung von Lebens - , Wohn - und Rehabilitationsproblemen
- die Verhaltenstherapie : Anleitung zur Verhaltensänderung
- die Psychotherapie : geistig - seelische Stützung und Weiterführung
Krisenintervention
Die Krisenintervention - Hilfeleistung in der Krise - betrifft im Falle einer Depression häufig die Selbstmordgefahr.
Die Beherrschung einer solchen Situation hängt weitgehend davon ab, in welchem familiären und sozialen Milieu
der Kranke lebt und ob gewährleistet ist, dass sich die Familienangehörigen genügend verständnisvoll um ihn
kümmern können. Sind die Voraussetzungen günstig, kann die Betreuung ambulant erfolgen.
Die Hospitalisierung - Einweisung in eine psychiatrische Klinik - ist aber im Falle eines akuten Suizidrisikos nicht zu
umgehen. Eine absolut sichere Suizidprophylaxe gibt es leider nicht, die beste ist die Früherkennung und das
stützende, hilfreiche Verhalten.
Zur Früherkennung hilft die Kenntnis der Alarmsignale.
Dem Suizidversuch geht häufig ein sogenanntes presuzidales Syndrom voraus.
Es entwickelt sich in drei Phasen:
1. Einengung der Wahrnehmung und Gefühle, Rückzug auf sich, Gefühl der Vereinsamung,
Sinn - und Ausweglosigkeit;
2. ohnmächtige Aggression und Vorwürfe gegen andere, schmerzliche Resignation,
Ankündigung der Suizidabsicht;
3. Flucht in die Phantasie, die zunehmend von der Selbsttötungsabsicht besetzt wird, und
Ausmalen der den anderen durch die Selbsttötung entstehenden Leiden.
Das hilfreiche Verhalten liegt insbesondere in der Bereitschaft, mit dem Betroffenen offen über seine Suizidabsicht
zu reden. Die im Gespräch sich ergebenden Hinweise auf einen Selbstmord sind immer ernst zu nehmen.
" Ernst nehmen " heißt:
- den Betroffenen möglichst nicht alleine lassen;
- ihn beschäftigen, ablenken, etwas mit ihm unternehmen;
- professionelle Hilfe beiziehen, ärztliche oder seelsorgliche Beratung, pharmaka - und
psychotherapeutische Maßnahmen;
- mit ihm im Gespräch bleiben, auch über die Selbstmordgedanken und den Todeswunsch sprechen;
- einen Vertrag abschließen, zum Beispiel dass man ihm das Versprechen abnimmt, innerhalb eines
klar vereinbarten Zeitraumes keinen Suizidversuch zu unternehmen.
Das kann zum Abbau der Suizidgedanken beitragen.
Quelle : Buch Bilder einer Depression - Kreuz Verlag