Gelöbnis
für jede Ärztin und jeden Arzt gilt folgendes Gelöbnis:
"Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich, mein Leben in den
Dienst der Menschlichkeit zu stellen. Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit
und Würde ausüben. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner
Patientinnen und Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein. Ich werde alle
mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod meiner Patientinnen und
Patienten hinaus wahren. Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle
Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten und bei der Ausübung meiner
ärztlichen Pflichten keinen Unterschied machen weder nach Geschlecht, Religion,
Nationalität, Rasse noch nach Parteizugehörigkeit oder sozialer Stellung.
Ich werde jedem Menschenleben von der Empfängnis an Ehrfurcht entgegenbringen
und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den
Geboten der Menschlichkeit anwenden. Ich werde allen, die mich den ärztlichen
Beruf gelehrt haben sowie Kolleginnen und Kollegen die schuldige Achtung erweisen.
Dies alles verspreche ich auf meine Ehre."
Psycho - Berufe
Der "ärztliche Psychotherapeut" ist ein Arzt mit einer Psychotherapie - Weiterbildung.
Dazu gehören der Arzt mit der Zusatzbezeichnung "Fachgebundene Psychotherapie"
und der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung "Fachgebundene Psychotherapie" ist ein somatischer
Facharzt mit einer Weiterbildung in den psychosozialen Fragen seines Faches.
(etwa beim Urologen die psychogenen Störungen der Sexualfunktion)
Vor 2003 hießen diese Ärzte "Arzt mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie".
Ein "Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hieß vor 2003
"Facharzt für Psychotherapeutische Medizin" und hat sich auf die psychotherapeutische
Behandlung, Prävention und Rehabilitation von psychosomatischen Erkrankungen
spezialisiert. Ein "Facharzt für Neurologie ist ein Spezialist für Erkrankungen des
Nervensystems wie multiple Sklerose oder Parkinson. Vor 2003 war die Bezeichnung
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie.
Ein "Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie" führt die psychiatrische
Grundversorgung und Richtlinien Psychotherapie durch. Er behandelt im Gegensatz
zum Psychologischen Psychotherapeuten auch medikamentös.
Ein "Psychologischer Psychotherapeut" ist ein Diplom Psychologe mit anschließender
drei- oder fünfjähriger Psychotherapieausbildung an einem Institut. Er behandelt nach
den Psychotherapie Richtlinien mit Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch fundierter
Psychotherapie oder Verhaltenstherapie.
Ein "Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie" behandelt
Kinder und Jugendliche psychiatrisch und psychotherapeutisch.
Ein "Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut" ist gelernter Psychologe,
Sozialpädagoge, Sozialarbeiter oder Lehrer mit anschließender Ausbildung in Kinder-
und Jugendlichenpsychotherapie.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jg.103 Heft 4, 27. Januar 2006
Einteilung der Antidepressiva
Nach der chemischen Struktur und der biochemischen Wirkungsweise lassen sich die
Antidepressiva schwerpunktmäßig in
Trizyklische Antidepressiva, Tetrazyklische Antidepressiva
Neozyklische Antidepressiva ( bizyklisch undatypisch )
Selektive Serotonin - Wiederaufnahmehemmer ( SSRI )
Selektive Noradrenalin - Wiederaufnahmehemmer ( NARI )
Selektive Serotonin - Noradrenalin - Wiederaufnahmehemmer ( SNRI )
Noradrenerge und spezifische serotonerge Antidepressiva ( NaSSA )
Dual - serotogene Antidepressiva ( DSA )
Pflanzliche Antidepressiva
Monoaminoxidase Hemmer ( MAO )
einteilen. Zur Zeit dominieren noch weitgehend die klassischen tryzyklischen Antidepressiva
als gut dokumentierte Substanzen in der medikamentösen Therapie depressiver Syndrome.
Hinsichtlich einzelner Nebenwirkungen vor allem anticholinerger Begleiterscheinungen, schneiden
jedoch die neueren Präparate teilweise günstiger ab.
Zudem sind diese neuen Antidepressiva in ihrer Wirkung den klassischen Trizyklika ebenbürtig.
Pflanzliche Antidepressiva eignen sich für die Therapie leichter bis mittelschwerer depressiver
Verstimmungen. Die traditionellen irreversiblen MAO - Hemmer bleiben aufgrund der strikten
Beachtung umfangreicher Diätrichtlinien bei Einnahme dieser Substanzen und der
Inkompatiblität mit einigen trizyklischen Antidepressiva speziellen Indikationen vorbehalten.
Im Gegensatz dazu müssen Diätvorschriften während einer Therapie mit dem selektiven, reversiblen
MAO - Hemmer nicht berücksichtigt werden.
Bei Untersuchungen über die Wirkung der Antidepressiva stehen hauptsächlich die
Überträgerstoffe Noradrenalin und Serotonin im Mittelpunkt.
Leitlinien für den therapeutischen Umgang mit Antidepressiva
Aufklärung des Patienten
Vor Therapiebeginn muss der Patient über seine Krankheit, den vorgesehenen Behandlungsplan,
die voraussichtliche Dauer der medikamentösen Behandlung und vor allem über die
möglicherweise auftretenden Nebenwirkungen, die sonst als weitere Krankheitssymptome
missdeutet werden könnten, aufgeklärt werden. Zusätzlich muss er informiert werden, dass die
eigentliche antidepressive Wirkung häufig erst nach einer Woche, zum Teil aber auch erst nach
zwei bis drei Wochen eintritt. Die Kenntnis der zeitlichen Latenz des antidepressiven Effekts
und der Arzneimittelnebenwirkungen ist für die Patienten von eminenter Bedeutung, damit sie
nicht vorzeitig infolge ausbleibender Wirkung oder aufgrund initial auftretender Nebenwirkungen
die medikamentöse Therapie abbrechen.
Die Nebenwirkungen der Antidepressiva beruhen in erster Linie auf der Interaktion dieser
Substanzen mit verschiedenartigen Rezeptoren. Art und Ausmaß möglicher unerwünschter
Wirkungen hängen vorwiegend ab von Dosis, Behandlungsdauer, vom Wirkstoff, den Arznei -
mittelinteraktionen und der individuellen Dispositionen. Neben den anticholinergen Wirkungen
mancher Antidepressiva heben bei einigen Präparaten klinisch die unerwünschten Wirkungen
auf das Herz - Kreislaufsystem eine besondere Relevanz.
Gefürchtete Nebenwirkungen, wie z.B. die Agranulozytose, sind äußerst selten.
Quelle : Buch Differenzierter Umgang mit Antidepressiva, PVG Verlag
Grapefruits und Medikamente
Für alle diejenigen, die Psychopharmaka oder andere Medikamente regelmäßig einnehmen müssen
gilt, Grapefruit verändert den Stoffwechsel von vielen Medikamenten. Grapefruitsaft kann beispiels-
weise den Serumspiegel von SSR in den toxischen Bereich erhöhen.
Bei Einnahme bestimmter Medikamente sollte man auf Grapefruitsaft verzichten. Bereits ein Glas kann
Probleme bereiten. Zu rechnen ist meist mit verstärkten Nebenwirkungen seltener mit nachlassender
Wirkung. Dies betrifft vor allem folgende Medikamente:
Medikamente gegen Angst
Medikamente gegen Depression
Medikamente gegen hohen Blutdruck
Medikamente gegen HIV / AIDS
Medikamente gegen Krebs
Medikamente gegen Herzrythmusstörungen
Antibiotika
Neuroleptika / Antipsychotika
Viagra u. ä.
Medikamente gegen Angina Pectoris
Antiepileptika
Medikamente gegen gastrointestinalen Reflux
Cholesterinsenker
Immunsupressiva
Quelle: Lichtblick - Newsletter N. 116 Antwort von Dr. Karl C. Mayer
Arzneimittelwechselwirkungen:
Arzneimittel können sich in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen. Man schätzt, dass im
Zusammenhang mit den knapp 400 Millionen Rezepten, die in Deutschland pro Jahr
ausgestellt werden, bis zu 10 Millionen solcher Wechselwirkungen auftreten.
In ca. 30 Prozent sind sie potenziell gesundheitsgefährdend.
Man unterscheidet zwischen einer pharmakokinetischen und einer pharmakodynamischen
Interaktion von Arzneimitteln. Eine pharmakokinetische Interaktion findet statt, wenn sich
ein Medikament auf die Aufnahme, Verteilung oder Ausscheidung eines anderen auswirkt.
Dadurch wird der Eintritt der Wirkung beschleunigt oder hinausgezögert.
Außerdem kann sich die Wirkungsdauer verkürzen oder verlängern.
Wenn zwei Medikamente dasselbe Zielorgan beeinflussen, spricht man von einer
pharmakodynamischen Wechselwirkung. Dabei wird die Wirkung entweder verstärkt
oder abgeschwächt. Manchmal kommt es auch zu einer völlig andersartigen Wirkung,
einer sogenannten Nebenwirkung.
Die Unverträglichkeit verschiedener Wirkstoffe und Substanzen führt notwendigerweise zu
Konsequenzen für die Medikamenteneinnahme. So wird z. B. davon abgeraten
Schilddrüsenhormone und bestimmte Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium oder Zink
zur gleichen Zeit einzunehmen, weil dies die Aufnahme der Hormone beeinträchtigt.
Die Mineralien sollten daher erst zwei Stunden nach den Schilddrüsenhormonen
eingenommen werden. Mineralstoffe vertragen sich außerdem auch nicht mit Bisphosphaten
gegen Osteoporose oder bestimmte Antibiotika.
Vorsicht ist auch bei Kortisonpräparaten geboten, wenn man sie in Verbindung mit
bestimmten Medikamenten einnimmt. Das hängt vor allem mit der Kalium ausscheidenden
Wirkung des Kortisons zusammen. Wer es in Verbindung mit Digitalis einnimmt, riskiert sogar
unter Umständen eine Vergiftung. Zu einer verstärkten Aussscheidung von Kalium kommt es,
wenn Kortison zusammen mit Diuretka ( entwässerungsfordernden Mitteln ) eingenommen wird.
In Kombination mit anderen Arzneimitteln hat das Kortison zuweilen einen abschwächenden und
in manchen Fällen einen verstärkenden Einfluss. Einen abschwächenden Effekt übt es z. B.
auf die blutzuckersenkende Wirkung von Antidiabetik aus.
Verstärkend wirkt es in Verbindung mit NSAR ( nicht steroidale Antirheumatika ), indem es
die entzündungshemmende Wirkung dieser Arzneimittel vergrößert. Zugleich steigt dabei auch
die Gefahr von Magengeschwüren.
Gefährliche Wechselwirkungen sind auch bei Naturheilmitteln möglich. Heilpflanzen können nicht
nur zu Nebenwirkungen führen, sondern auch die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen.
Das gilt beispielweise für Johanniskraut. Es ist zwar rezeptfrei erhältlich, in bestimmten Fällen
löst es jedoch lebensbedrohliche Interaktionen aus. Die Ursache liegt darin begründet,
dass es Stoffe enthält, die in der Leber die Produktion des Eiweißes CYP3 / A4 anregen.
Dieses Eiweiß wiederum hat eine wichtige Funktion, um den Abbau von Arzneimitteln im Körper
in Gang zu setzen. Wird zu viel davon produziert, kann das unter Umständen schlimme
Konsequenzen haben, z.B. nach einer Organtransplantation. Um zu verhindern, dass der
Körper der Patienten das neue Organ abstößt, erhalten sie das Medikament Cyclosporin.
Bei Patienten, die zugleich Johanniskraut einnehmen, kommt es möglicherweise zu dem Effekt,
dass das Cyclosporin schneller abgebaut wird und der Körper das Organ abstößt.
Johanniskraut beschleunigt darüber hinaus auch den Abbau gerinnungshemmender Mittel
und verringert die Wirksamkeit der Antibabypille.
Quelle: ORTHOpress 1/2011
Medikamentenabhängigkeit : "Die Tablette ist wie ein Freund"
Im Jahr 2001 sind 1,66 Milliarden Packungen Arzneimittel verkauft worden, im Schnitt 20 pro
Einwohner, Umsatz rund 31 Milliarden Euro. Etwa sechs bis acht Prozent dieser Arzneimittel
hat ein bekanntes Sucht - oder Missbrauchspotenzial. Diese Nebenwirkung sollte immer
berücksichtigt werden, insbesondere von den Experten/innen, die solche Arzneimittel entweder
verordnen oder verkaufen, also von Ärzten/innen und Apothekern/innen.
1,5 Millionen Menschen leiden unter einer Medikamenten - Abhängigkeit, in den meisten Fällen
irgendwann einmal ausgelöst durch die Verordnung einiger Ärzte/innen, aber auch durch die
mangelnde Beratung in manchen Apotheken.
Damit wird die Medikamentenabhängigkeit zur zweithäufigsten Suchterkrankung nach der
Alkoholabhängigkeit - allerdings mit weniger öffentlicher Diskussion.
Dabei sind die einschlägigen Arzneimittel seit langem bekannt. Es sind die Mittel vom
Benzodiazepin-Typ. Arzneimittel, die von den "Urgroßmüttern" Librium und Valium abstammen.
Vielverordnet werden zum Beispiel Schlafmittel wie Noctamid und Rohypnol, Lendormin und
Remestan, Radedorm und Mogadan, Tranquilizer wie Adumbran und Tavor, Normoc und
Bromazanil, Faustan und Lexotanil oder Muskelentspannungsmittel wie Musaril. Diese Mittel sind
zwar , kurzfristig eingenommen, unverzichtbar als gut verträgliche Schlafmittel, als gut wirksame
Mittel gegen Angst und Panikattacken oder zur Muskelentspannung vor Operationen.
Eine Verordnung über zwei bis drei Monate hinaus führt aber zur Gewöhnung und zu Absetz -
erscheinungen, oftmals der Grund für Weiterverordnung, damit die quälenden Entzugssymptome
(Unruhe, Aggression, Schlaflosigkeit und anderes) nicht auftreten.
Die Benzodiazepin Abhängigkeit ist eine Niedrigdosisabhängigkeit, die auf einer normalen
therapeutischen Dosierung über Jahre, zum Teil über Jahrzehnte konstant bleibt - zu einem großen
Teil also eine ärztlich mitverursachte und "tollerierte" Abhängigkeit.
Bei der Verordnung muss daher mehr als bislang geprüft werden, ob Arzneimittel als Therapie
bei Alltagsproblemen und ähnlichen Belastungen überhaupt sinnvoll sind - es gibt eben nicht gegen
alle Leiden eine Pille: Medikamente sind keine Dopingmittel, dafür wurden sie nie zugelassen!
Die Abhängigkeit ist weiblich!
Seit Anfang der 80er Jahre ist bekannt, dass Frauen häufiger psychotrope Substanzen verschrieben
bekommen. Das geschlechtsspezifische diagnostizierte Krankheitsspektrum legt diese Gleichung
nahe: Den auffällig häufigen "männlichen" Diagnosen: Herzinfarkt, Magen Darm Ulzera,
Leberzirrhose oder Lungenkarzinom stehen als häufigste weibliche Diagnosen Neurosen, Organ-
neurosen, psychogene Störungen, vegetative Dystonie, Nervosität, Schwäche, Depressivität und
Schlafstörungen gegenüber. Frauen sind aber nicht nur Opfer der Medikalisierung, in vielen Fällen
fordern sie diese aktiv ein. Die Einnahme von Medikamenten gibt das Gefühl, etwas für die
Genesung zu tun. Sie ist weniger aufwendig als eine Psychotherapie oder die Änderung des
Lebensstils. Risiken werden aber oftmals übersehen : Im Gegensatz zu weiblichen Umbruchphasen
ist die Nebenwirkung Abhängigkeit nach der unkritischen Verordnung von bestimmten
psychotropen Arzneimitteln eine wirkliche Krankheit!
Quelle: inforum Nr. 1 / 2003